Eine dystopische Medienlandschaft

 „Network“ am Stadttheater Mödling

 

Es spielt Mitte der 70er Jahre in der Fernsehlandschaft der USA, hat aber bis heute nichts an Aktualität verloren. Im Gegenteil: „Network“, eine Mediensatire von Lee Hall nach dem gleichnamigen Erfolgsfilm von Paddy Chayefsky aus dem Jahre 1976, der mit vier Oscars ausgezeichnet wurde.

Howard Beale (toll gespielt von Alexander Rossi) ist Nachrichten-Anchorman des fiktiven US-Network-Senders UBS und damit ein TV-Star… allerdings am absteigenden Ast. Denn seine Einschaltquoten sind im freien Fall, weswegen der Sender ihn auch entlassen will. In seiner Verzweiflung kündigt Beale seinen Selbstmord vor laufender Kamera an. Doch es kommt anders, er wird zum ersten Wutbürger im Fernsehen und bietet damit den Zusehern, deren Zahlen in ungeahnte Höhen schnellt, ein Ventil.

Was im gleichnamigen Film von 1976 noch eine böse Satire auf eine dystopische Medienlandschaft war, ist heute beinahe schon keine Übertreibung mehr. Network ist eine Geschichte aus einer Zeit, als das Fernsehen noch DAS Leitmedium war. Diese Zeit geht zu Ende, heute besitzen die Social Networks die Macht der Öffentlichkeit. Aber das Problem der Manipulation ist nach wie vor sehr relevant.

Intendant Bruno Max stattet das Bühnenbild mit spannenden Merkmalen der 70er-Jahre aus, beispielsweise mit den damals typischen, großmustrigen, bunten Tapeten. Anna Polak griff bei den Kostümen auch in die 70er-Jahres-Kiste. Alexander Rossi wird bestens unterstützt von Ensemblegrößen wie Leopold Selinger, Eszter Hollosi, oder Christoph Prückner. Die österreichische Erstaufführung von „Network“ läuft nach bis 18. Mai im Stadttheater Mödling, ab 7. Juni dann im Theater Scala in Wien.

 

Michael Stenzel

 

www.stadttheatermoedling.at

 

 

 

 


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